Blog Archives
PC Game © lassedesignen - Fotolia.com
Zu Beginn des Meisterwerks “Dear Esther” blicken die Spieler von einem kleinen Pier aus auf eine sehr düstere und zudem verdächtig still wirkende Küste in Schottland. Dann beginnt die Geschichte: der Erzähler schreibt einen Brief, in dem er seiner liebsten Esther mitteilt, dass er manchmal das Gefühl habe, auf der besagten Insel geboren zu sein. Schon zu Beginn merkt man, dass die Insel sehr detailliert gestaltet ist. Als eine anfangs namenlose Figur müssen die Spieler die Insel durchwandern. Gleichzeitig lauschen sie in regelmäßigen Abständen dem Monolog des Erzählers, der den Brief an seine liebste Esther schreibt.
Die Spieler müssen einen entfernten Radiomast erreichen, der hoch über die Insel ragt. Doch dabei hat der Spieler nicht viele Möglichkeiten: er kann fast nur umhergehen, entdecken und zuhören. Er muss keine Gegner bekämpfen und auch keine Rätsel lösen. Auch der Weg, den er beschreiten muss, ist immer klar und eindeutig. Die Reise vom Pier am Strand bis zum Leuchtturm dauert gerade mal eine Stunde. Von Spiel zu Spiel ist die Reise aber immer eine andere. Der Anfang der Reise bleibt zwar stets der Gleiche. Die Erzählung wird bei jedem Spiel aber anders zusammengesetzt, man lauscht auch jeweils anderen Abschnitten und Kombinationen der Erzähler-Monologe. Im Laufe des Spiels werden diese sogar noch verworrener. Dabei müssen die Spieler immer wieder nach Hinweisen suchen, die dabei helfen sollen, die Geschichte zu entschlüsseln.
Dear Esther ist eine interaktive Geistergeschichte. Die Beteiligten haben es geschafft, viele beeindruckenden Spielorte zu erschaffen. Kritiker bezeichnen das Spiel sogar als ein Meisterwerk modernen Leveldesigns. Das hat das Spiel zum Aushängeschild einer professionalisierten Indie-Games-Szene gemacht.
In den letzten 20 Jahren, in denen der Computer unsere Wohnungen in Besitz genommen hat und fast jeder einen zu Hause hat, wurden natürlich auch unzählig viele Computerspiele produziert. Dabei waren auch immer ein paar Spiele, die von recht bekannten Studios produziert, vor dem Erscheinen groß angekündigt wurden und dann bei der Veröffentlichung maßlos enttäuschten. Jedoch haben sie es irgendwie geschafft, sich dadurch Kultstatus zu erarbeiten und sind bis heute bekannt und besitzen eine treue Fangemeinde. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Atmosphäre in dem Spiel einfach so unglaublich mitreißend ist, dass man auch einmal über ein paar Fehler und taktische Mängel hinwegsieht.
Ein Beispiel wäre dafür “Deadly Premonition”. Dort ist die Steuerung einfach nur schrecklich und furchtbar und wirklich gut aussehen tut das Spiel auch nicht. Doch was macht das in Japan produzierte Spiel dann so zum Kult? Es ist die Story, die einen von der ersten Minute an in den Bann zieht. So geht es um einen FBI-Agenten der mit einer imaginären Person spricht und und in einer kleinen Stadt einen Mordfall lösen muss, der mehr Auswirkungen hat als zunächst angenommen. Man nimmt dem Spiel die Geschichte einfach ab!
Ein anderes Beispiel ist “Vampire: The Masquerade -Bloodlines”. Diese wurden von den Produzenten der erfolgreichen “Fallout” Reihe produziert und erschien kurz nach “Half Life 2″. So wurde versucht, aus einer Ego-Shooter Technik heraus ein Rollenspiel zu konzipieren, was deutlich daneben ging. So ging es sogar so weit, dass das Entwicklungsstudio nach der Veröffentlich schließen musste, da das Spiel so schlecht war. Im Internet ist das Spiel jedoch immer noch bekannt und einige Fans haben die gröbsten Fehler bisher behoben, sodass man auch diese Geschichte gerne durchspielen mag.
To The Moon ist nicht ganz eindeutig zuzuordnen. Der Schöpfer Kan Gao, Spielentwickler und Komponist, möchte es auch nicht streng als Spiel betrachtet haben. Es soll auch kein Trickfilm oder Buch sein. Er sieht es einfach als neuen Weg, eine Geschichte zu erzählen, experimentiert also mit dem Medium. Der Held in der Geschichte ist ein alter, im Sterben liegender Mann, Johnny. Sein letzter Wunsch ist es, auf den Mond zu fliegen, beziehungsweise, in seinem Leben auf den Mond geflogen zu sein. Dr. Eva Rosalene und Dr. Neil Watts, zwei Wissenschaftler_innen sollen ihm dabei helfen. Dazu müssen sie mit einer Maschine in Johnnys Erinnerungen eindringen und sie verändern. Das erinnert stark an den kürzlich erschienenen Film “Inception” von Christopher Nolan. Hat sich dieser allerdings schnell als konfuser Actionfilm entpuppt, geht es bei To The Moon deutlich langsamer und philosophischer zu. Schritt für Schritt entdecken Dr. Rosalene und Dr. Watts, warum Johnny überhaupt auf den Mond geflogen sein möchte. Dazu arbeiten sie sich stückweise durch die Erinnerungen und lösen Rätsel. Dabei wird durch die sphärische Musik von der Komponistin Laura Shigihara und Geo selbst, die geschriebenen Dialoge und die pixeligen kleinen Figuren in 2D jede Hektik heraus genommen, die Figuren entwickelt und Empathie erzeugt. Außerdem werden Fragen gestellt: Was würde ich anders tun, wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte? Gibt es etwas, was ich bedaure? Wie hätte mein Leben durch eine andere Entscheidung in einem bestimmten Augenblick anders verlaufen können? Damit bekommt das Spiel, oder, was auch immer es wirklich ist, autobiograifsche Bezüge, denn genau solche Fragen stellte sich Kan Gao, als sein Großvater einen Herzinfarkt erlitt.
Außerdem spielt To The Moon selbstironisch mit dem Genre, beispielsweise entscheidet sich Dr. Rosalene zum Anfang ein Eichhörnchen anzugreifen, da Angriff die beste Verteidigung sei und wird dann von Kindern mit einer Anzeige wegen Tierquälerei bedroht. Das Eichhörnchen war aber schon vorher weggelaufen. To The Moon gibt es auch in Videos auf YouTube zu sehen.

Computerspieler © Epibrate Images - Fotolia.com
Kein anderes Spiel ist derzeit so gefragt wie Battlefield 3 von Electronic Arts. So gehört das Spiel derzeit wohl gleichzeitig zu den besten aber auch umstrittensten. So weist Battlefield eine unglaubliche Grafik auf, welche es dem Spieler ermöglich so nah wie noch nie in das Geschehen einzutauchen. Außerdem ist die Spielsteuerung sehr gelungen, sodass es einfach nur Spaß macht dieses Spiel stundenlang zu zocken und aufs Schlachtfeld zu ziehen.
So kann Battlefield 3 innerhalb von nur wenigen Tagen Verkaufszahlen von über fünf Millionen aufweisen, was ein Rekord sei, da noch kein anderes Spiel von EA so schnell über den Ladentisch ging. Dies könnte man schon als große Überraschung sehen, da Battlefield derzeit auch so viele Kritiker hat wie noch kein anderes Spiel. Dabei handelt es sich vor allem auch um eingefleischte Battlefield Fans. Der Grund des Protestes ist nicht etwa die Unzufriedenheit mit dem Spiel oder der Entwicklung des neuen Teils, vielmehr geht es dabei um die Privatsphäre des einzelnen Spielers. So gibt es bei dem Battlefield Spiel gleichzeitig noch eine Software die der Spieler mitinstallieren muss um in den Genuss des Spieles zu kommen. Dabei handelt es sich um die von Kritikern als “Spyware” geschimpfte Software “Origin”. Diese kann alle EA-Produkte auf dem Rechner überprüfen und so nachsehen, ob es sich dabei um original erworbene Spiele handelt und nicht etwa um illegal aus dem Internet gezogenen Raubkopien. Prekär ist zum einen, das EA somit jederzeit im Hintergrund den PC überprüfen kann ohne den Nutzer zu informieren. Noch mysteriöser wird es, da im Internet Gerüchte herum kursieren, dass die Software den kompletten Computer überprüfen kann und selbst in den Windows-Systemordner eindringen kann. So haben sich mittlerweile über 10 000 Gegner im Internet zusammengetan die zum Boykott des Spiels aufrufen. Wie man jedoch sieht funktioniert dies nicht und EA wird das Spiel schon jetzt als eines seiner erfolgreichsten bezeichnen können.

The Next Big Thing, Quelle: jeuxvideo/Flickr.com
Die bekannten Pendulo Studios haben sich bei ‘The Next BIG Thing‘ selbst übertroffen. Die Spanier haben die gängigen Charakter zur Seite gelegt und etwas Neues erschaffen. Ein ganz großes Ding, eben The Next BIG Thing. Das Abenteuer rund um zwei Journalisten der 50er Jahre schein wie eine abgedrehte Abendteuer-Party. In dieser Welt, in der Menschen und Monster nebeneinander leben, werden das Pärchen Daniel ‘Dan’ und Elizabeth ‘Liz’ losgeschickt, um eine Verschwörung zu enthüllen. Dan ist ein egoistischer aber auch erfolgreicher Sportreporter, der beauftragt wurde auf Liz, den Frischling im Team aufzupassen.
Ihr erstes Ziel ist ein Horrorfilmfestival. Von hier aus sollen sie vom Geschehen berichten. Hier fängt die Story interessant zu werden. Dan bemerkt wie das Monster Big Albert versucht in die Villa des Filmproduzenten Fitz Randolph einzubrechen. Hier findet die Aftershow-Party statt. Liz kann den recht unmotivierten Dan überzeugen der Sache nachzugehen und beide machen sich auf dem Weg zur Villa. Beide erwartet eine abgefahrene Party mit noch durchgedrehteren Gästen.
Das Spiel ist von Anfang an spannend und humoristisch. Das ungleiche Paar zankt sich wo und wann es nur geht. Das Setting des Spiels ist hervorragend. Fast ein bisschen verspielt, so wie man es von den Runaway-Spielen gewohnt ist. Dem Auge wird etwas geboten. Einzig und allein die Hintergrundanimationen scheinen etwas unausgereift zu sein. Doch die 3D-Figuren machen alles wieder gut. Auch der Sound kann sich hören lassen. Alles ist bis ins kleinste Detail ausgetüftelt. Besonders gut ist die Handlung gelungen. Hier werden Anspielungen auf verschiedene Filme und bekannte Fernsehproduktionen gemacht. Die handgezeichneten Details fügen sich wunderbar in den Rest des Spiels ein. Comicfreunde werden einen großen Spaß an ‘The BIG Thing’ haben.
Beim Thema Piraten denkt man spätestens seit den Fluch-der-Karibik-Filmen an atemberaubende Action und außergewöhnliche Abenteuer rund um Schätze und Seeschlachten. Das das nicht zwangsläufig so sein muss beweist das PC Game „Pirates of Black Cove“ ein Piraten-Spiel mit absurd simplen Seeschlachten, schrulligem Humor und überzeichneten Figuren inklusive Piratenslang und doch ist es irgendwie lustig.
Das Spiel kommt charmant daher, deshalb mag man auch die eine oder andere unkreative Passage hinnehmen, doch es kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Spiel insgesamt einfach nicht wirklich ein spannendes Action-Adventure ist sondern eher voraussehbar vor sich hin dümpelt und man denken könnte es spiele sich von selbst.
Sehr deutlich wird dieser Eindruck dann auch bei den Seeschlachten, eigentlich dem Herzstück eines jeden Computergames über Piraten. Diese in „Pirates of Black Cove“ zu gewinnen bedarf nicht mal ansatzweise harter Gaming-Arbeit. Trotz Piratenflagge am gegnerischen Schiff kann man fast bei jedem Duell das Schiff so weit an das des Gegners ranfahren, dass man nur noch einen Schuss braucht und schon ist dieser besiegt. Das ist nicht nur langweilig sondern man verliert auch den Spaß nach einer gewissen Zeit. Und selbst wenn die Gegner mal von sich aus angreifen, was wirklich so gut wie nie vorkommt, bedarf es nur ein bisschen im Kreis fahren und ballern per Linksklick und dann ist auch dieses Gefecht wieder beendet. Das einzige was komischerweise nicht leicht funktioniert ist es, ein flüchtendes Schiff einzuholen und zu besetzten, selbst wenn dieses schon in Flammen steht.
Wer also einen netten Nachmittagsvertreib am PC sucht mit ein bisschen Humor und Piraten-Atmosphäre, der kann sich „Pirates of Black Cove“ getrost zulegen. Für alle die jedoch ein ausgeklügeltes Adventure-Game mit Taktik und Spannung erwarten ist das Spiel definitiv nichts.
Ich habe den neusten Clou der Rockstarstudios San Diego in der Konsole gehabt und getestet. Dabei handelt es sich um “Midnight Club: Los Angeles“. Natürlich hat da auch meine persönliche Meinung sehr mit rein gespielt, doch dass muss bei einem Zocker erlaubt sein. Denn ich gebe zu: Ich habe die Midnight Club-Serie immer gegenüber den Need for Speeds und wie sie alle heißen, favorisiert. Und der Abstecher nach Los Angeles zeigt mir mit seinem klassischen, aber behutsam optimierten Arcade-Ansatz, der Benzin unverhohlen mit Adrenalin mischt, dass ich richtig liege. Das Geschwindigkeits-Gefühl ist phänomenal, das Prinzip der offenen Streckenführung auch in Zeiten von Burnout Paradise unerreicht, das visuelle Tuning beispielhaft.

Screenshot, Foto: copssuckftp_flickr
Und dann erst die Kulisse: Dass Rockstar San Diego die kalifornische Metropole nicht maßstabsgetreu umgesetzt hat, störte mich nur am Anfang. Denn die Detailfreude, die einem nicht nur bei den bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern an jeder Straßenecke ins Auge springt, sorgt zusammen mit der stets flüssigen Bildrate immer wieder für Wow-Momente zumal sie auch in den coolen Mehrspieler-Duellen für bis zu 16 Spieler konstant bleibt. Dass Midnight Club L.A. im Gegensatz zum Vorgänger trotz aller Verbesserungen und der Prachtgrafik kein Platin erhält, scheitert an Kleinigkeiten, die sich allerdings summieren: Vereinzelte Grafikfehler z.B. wie die seltenen Textur-Nachlade-Probleme, die mich kurzzeitig aus dem Spiel reißen. Die inkonsequente Polizei-Einbindung. Oder auch die vollkommen unbrauchbaren Rückspiegel. Ganz zu schweigen von dem Fauxpas, dass sich der PDA unübersichtlich auf die Minimap legt. Die kleinen Mehrspieler-Probleme wie fehlende Handicap-Möglichkeiten oder die analog zur Teilnehmerzahl erhöhte Lag-Gefahr sowie die fehlenden Leistungsdaten in der Lobby-Fahrzeugwahl sollen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Doch in einem Punkt beißt die Maus keinen Faden ab: Auch beim ersten HD-Auftritt zeigt die Midnight Club-Serie der versammelten Konkurrenz nahezu spielerisch leicht, wie prachtvoll und wie einfach, wie packend und fordernd ach so schnöde Arcade-Rennen sein können.
Also von mir gibt es da definitiv eine Kaufempfehlung!
